Leisure

Grillen

Genuss pur

Bild: fotolia.de/karepa

Wenn draußen die Temperaturen steigen, ist es wieder so weit: Die Küche wird ins Freie verlegt – auf den Balkon, in den Garten oder an den See. Denn der Deutschen liebstes Hobby heißt Grillen.

Größer, schneller, heißer – Grillen boomt. In Umfragen geben weit über 90 Prozent der Befragten an, dass sie im Sommer gerne mal was auf den Rost legen. Wer mit Begeisterung brutzelt, lässt sich auch für Neues auf diesem Gebiet erwärmen. Jede Saison wird nach aktuellen Trends gegrillt, geräuchert und gesmoked. Die Szene wächst. Mittlerweile gibt es Hightech-Geräte, die man das ganze Jahr über anheizen kann – in Edelstahl und Keramik, als Rollwagen oder Tischvariante, mit mehreren Brennern und Sizzle-Zone.

Glaubensfrage Brennstoff

Der Klassiker ist zwar immer noch der Holzkohlegrill, aber Gas- und Elektrovarianten schicken sich an, aufzuholen. Die sind zwar nicht ganz so romantisch, dafür aber frei von „polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen“ (PAK), die entstehen, wenn Fett in die Glut tropft. Zudem lässt sich die Temperatur flexibel regeln, um verschiedene Sachen einfacher auszuprobieren. „Kein Problem“, rufen die Fans der glühenden Kohle, „mit dem richtigen Mischungsverhältnis von Kohle und Briketts und etwas Übung lässt sich die passende Temperatur auch ganz einfach erreichen.“ Und wer hat eigentlich behauptet, dass beim Grillen immer nur Vollgas gestattet ist? Über der Kohle direkt anbraten und danach indirekt fertiggaren – das weiß man doch mittlerweile. Außerdem sei das unvergleichliche Räucheraroma nur so erreichbar, oft unterstützt durch Räucherchips aus Zeder, Ahorn oder Hickory. „Falsch“, erwidert die Gas-Fraktion, „auch hier gibt es Lösungen für die Integration der Aromaspäne.“

Die Technik macht’s

Letztlich greifen aber auch die Freunde der archaischeren Grillvariante heute mehr und mehr zu modernen Hilfsmitteln. Die digitale Transformation scheint auch beim Grillen angekommen zu sein. Mit Apps lassen sich Temperatur und Garpunkt überwachen. Messfühler melden die passende Kerntemperatur. Digitale Gadgets sind beliebt und ein perfektes Smalltalk-Thema, während alle auf den Gaumenschmaus warten. Allerdings haben Tests von Herstellern herausgefunden, dass der autonome Grill, der alles allein macht, wenig Abnehmer fände. Anscheinend will Mann – und der steht immer noch zumeist am Grill – auch hier zeigen, was er kann. „Guck mal Schatz: Hab ich selbst gemacht.“


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In der warmen Jahreszeit gibt es wieder Leckerein aus der Outdoor-Küche. Ob auf Kohle oder Gas gegrillt – von der Vor- bis zur Nachspeise lässt sich auf dem Rost ein Menü zaubern.

Zart und saftig

Auf dem Grill ist erlaubt, was gefällt. Und auch hier wird Neues ausprobiert. Neben Würstel und eingelegten Halsgrat rücken auch mal exquisitere Variationen. Da ist das Entrecote selbst mariniert oder das T-Bone-Steak very dry aged. Ob Bierdosen-Hendl oder Iberico-Schweinebraten – Fleisch ist nach wie vor die Nummer eins auf dem Rost. Und passend dazu erfreuen sich Gewürze und Saucen steigender Beliebtheit: Neben BBQ und Curry treten Geschmacksrichtungen wie Honig-Senf, gerösteter Knoblauch oder Pflaume-Zimt. Längst sind auch die Zeiten vorbei, in denen der Grillwart mit glühenden Wangen darüber wachte, dass ihm kein Gemüse zwischen Steaks und Würste geschmuggelt wurde. Jede gelungene Abwehr feierte er mit einem kräftigen Schuss Bier über das Fleisch – „damit alles schön zart und saftig wird“. Dieser Aberglaube ist zum Wohl der Essenden widerlegt, denn bei einer Bierdusche entstehen höchstens Schadstoffe. Der Genussgriller von heute lässt auch Zucchini, Paprika, Champignons und sogar Salatherzen auf den Rost. Auch bei Fisch und Meeresfrüchten schlagen die Herzen der Gäste höher. Als Vorspeise könnte es Minipizzen vom aufgelegten Stein geben. Und wären als Nachtisch vielleicht gegrillte Nektarinen gefällig?

Lernen von den Besten

Die Zubereitungsmöglichkeiten sind grenzenlos, entsprechend viele Kochbücher – ob vom Sternekoch oder vom Grillhersteller – bieten heute Grillrezepte. Wer noch mehr Anleitung möchte, besucht eine der vielen Kochschulen oder Grillakademien. Vom Basiskurs bis zum Wintergrillen geben dort Profis ihr Können an den Hobbygriller weiter. Guten Appetit!